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Montag, 31. Oktober 2005

Gottfried Benn - Nur zwei Dinge

Durch so viele Formen geschritten,
Durch ICH und WIR und DU,
doch alles bleibt erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewusst,
es gibt nur eines: ertrage -
ob Sinn, ob Sucht, ob Sage -
dein fernbestimmtes:
Du musst.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere
was alles erblühte, verblich.
Es gibt nur zwei Dinge:
die Leere -
und das gezeichnete ICH.

Donnerstag, 20. Oktober 2005

Gottfried Benn - Auf deine Lieder senk ich Schlummer

Auf deine Lieder senk ich Schlummer,
auf deine Lippen send ich Kuss,
indessen ich die Nacht,
den Kummer,
den Traum alleine tragen muss.

Um deine Züge leg ich Trauer,
um deine Züg leg ich Lust,
indes die Nacht,
die Todesschauer
weben allein durch meine Brust.

Du, die zu schwach, um tief zu geben,
du, die nicht trüge, wie ich bin -
drum muss ich abends mich erheben
und sende Kuss und Schlummer hin.